Eine Frau in der Kanalbranche

„Viele denken bei unserem Beruf zuerst an Schmutz und schlechte Gerüche“, erzählt Tamara lachend. „Doch wenn ich erkläre, was wir tatsächlich alles machen, staunen die meisten.“

 

Tamara arbeitet als Teamleiterin im Bereich Kanal-TV und ist die einzige Frau im Team. Dass sie einmal in einer so männerdominierten Branche arbeiten würde, war jedoch nicht von Anfang an klar. Nach Schnupperlehren als Coiffeuse, Floristin und in Pflegeberufen merkte sie schnell, dass sie sich dort nicht wirklich wohlfühlte. Körperlich anspruchsvolle Arbeit im Freien sagte ihr deutlich mehr zu. Über eine Ausbildung als Strassenbauerin und später als Zeichnerin im Ingenieurbau führte ihr Weg schliesslich in die Kanalbranche.

 

Das Arbeiten ausschliesslich im Büro entsprach ihr jedoch nicht. Sie wollte wieder draussen arbeiten, unterwegs sein und anpacken. Als Quereinsteigerin begann sie im Bereich Entwässerungstechnologie zunächst als Unterstützung im Team. Bereits nach wenigen Monaten übernahm sie Verantwortung als Teamleiterin. Heute betreut sie zusätzlich Lernende und bringt ihnen den vielseitigen Beruf näher.

 

Ihr Arbeitsalltag beginnt früh am Morgen im Lager. Fahrzeuge und Material werden vorbereitet, bevor es zu Baustellen, Gemeinden oder Privatkunden geht. Vor Ort wird gemeinsam mit dem Auftraggeber das Vorgehen besprochen. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: Kanal-TV-Aufnahmen, Inspektionen, Fräsarbeiten oder das Lokalisieren von Schäden und Ablagerungen.

 

Dabei braucht es weit mehr als körperliche Kraft. „Gerade bei Kamerainspektionen oder Fräsarbeiten ist oft Millimeterarbeit gefragt“, erklärt Tamara. Sorgfältiges Arbeiten, technisches Verständnis und Feingefühl seien im Alltag genauso wichtig wie Teamarbeit und Kommunikation.

Besonders schätzt sie die Vielseitigkeit ihres Berufs. Kein Tag gleiche dem anderen und viele Einsätze würden kreatives Denken erfordern. Ein Erlebnis ist ihr besonders geblieben: Eine Sickerleitung war fast vollständig mit Kalk zugesetzt. Die Fräsarbeiten dauerten eine ganze Woche.

 

Als einzige Frau im Team musste sie sich manchmal behaupten. „Man muss sich durchsetzen können“, sagt sie offen. Trotzdem würde sie den Beruf jederzeit auch anderen Frauen empfehlen – besonders jenen, die gerne praktisch arbeiten, Herausforderungen mögen und keine Angst davor haben, Neues anzupacken.

 

Für Tamara ist klar: Die Arbeit in der Entwässerungstechnologie ist wichtig und sinnvoll. „Jeder, der uns braucht, ist froh, wenn wir kommen.“

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